Welcher Sattel ist der richtige für mich?
Diese Frage sollte man sich stellen, wenn man auf der Suche nach einem neuen Westernsattel ist. Bloß welche ist die richtige Antwort. Es wäre ja wieder einmal zu einfach, wenn es die 0815-Antwort geben würde.
Aber so viel sei gesagt, man kann die Auswahl zumindest ein bisschen eingrenzen, entscheiden muß später jeder selber.
Wir haben eine kleine Frageliste zusammen gestellt, die sich jeder erst einmal ehrlich beantworten sollte, bevor er auf die Suche geht. Denn wer sich überhaupt nicht sicher ist, der kauft später etwas und stellt dann nach einiger Zeit fest, dass es doch nicht so das Wahre ist.
- Wie alt ist das Pferd?
- Was für Ansprüche habe ich an den Sattel?
- Reite ich nur im Gelände und absolut freizeitorientiert oder will ich an Turnieren teilnehmen?
- Bin ich Anfänger, Umsteiger oder Profi?
- Wie viel Kapital habe ich zur Verfügung, bzw. was will/kann ich ausgeben?
- Muß es immer ein Markensattel sein?
- Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Sattelprobe?
Nun kurz eine kleine Hilfestellung.
Wie alt ist das Pferd?
Ein Pferd verändert sich bis es 5 Jahre alt ist vom Skelett her und bis es 7 Jahre alt ist von der Muskulatur her. Haben Sie jetzt ein Pferd welches jünger ist als 5 Jahre, macht ein neuer Sattel mit Sicherheit nicht viel Sinn, denn es kann sein, dass dieser innerhalb von einem halben Jahr nicht mehr passt.
Ist das Pferd zwischen 5 und 8 Jahre alt, bleibt diese Entscheidung Ihnen überlassen. Es kann sein, dass hier in kurzer Zeit das gleiche auftritt wie oben beschreiben, es muß aber nicht sein.
Pferde die älter als 8 Jahre alt sind, haben diese Probleme nicht mehr, hier kann es nur zu einer trainingsbedingten bzw. saisonalen Veränderung kommen.
Was für Ansprüche habe ich an den Sattel?
Haben Sie Bandscheibenprobleme oder andere Beschwerden im Rückenbereich und können eine bestimmte Haltung nur schwer einnehmen empfiehlt es sich auf jeden Fall vorher ein paar Sitzproben auf verschiedenen Sätteln vorzunehmen. Erst recht, wenn Sie Umsteiger sind, bzw. vorher keinen Westernsatteln hatten.
Ansonsten sollte man sich überlegen, ob man in seinem alten Sattel bequem gesessen hat oder ob das ein oder andere störend war. Diese Punkte sollte man mit seinem Fachhändler besprechen, damit sofort die richtige Vorauswahl getroffen werden kann.
Jemand der bis lang in seinem Oldtimer zu hart gesessen hat, sollte einmal die Vorzüge eines gepolsterten Sitzes versuchen, oder ähnliches.
Freizeitorientiert oder Turniere?
Wenn Sie Freizeitreiter sind, der die Vorzüge eines Westernsattels nutzen möchte, sollten Sie sich auch dementsprechend präsentieren. Es nützt nichts wenn man dem Fachhändler vorgaukelt, man würde Turniere reiten und wird entsprechend dieser Aussage Richtung Reinigsattel beraten und ist später unglücklich, weil der Sattel für lange Ritte recht unangenehm für den Reiter werden kann. Ein Freizeitreiter, der sich meist im Gelände aufhält und nur ab und an den Platz oder die Halle besucht, sollte sich auch nach einem Freizeitsattel oder einem Sattel mit wenig Build-Up und einem recht geraden Sitz umsehen, da er sich auf langen Ritten dort besser drin bewegen und auch schon mal umsetzten kann.
Ein Turnierreiter oder jemand der hauptsächlich im Dressurbereich mit dem Pferd arbeiten möchte, sollte sich einen Sattel im Reiningbereich suchen. Er sollte über ein mittleres bis hohes Build-Up verfügen, einen tiefen Sitz haben und dem Reiter möglichst viel Beinfreiheit bieten. Ein Butterflyskirt oder Cut-Out Skirt wäre hier auch nicht verkehrt.
Wenn man jetzt sagt ich reite sowohl Dressur als auch im Gelände, dann sollte man sich noch mal überlegen, was einem wichtiger ist. Wobei mit dem Wort Dressur nicht die klassische Dressur gemeint ist, sondern die gymnastikzierende Arbeit mit dem Pferd auf dem Platz.
Man könnte sich in solch einem Fall für ein Modell entscheiden, welches über ein mittleres Build-Up und einen halb tiefen Sitz verfügt. So hat man trotzdem einen guten Kontakt zum Pferd wird aber nicht in eine tiefe Sitzposition gesetzt in der man bei Geländeritten nach 4 Stunden Probleme bekommt, da ein fester Sitz langfristig zu Gelenkbeschwerden in der Hüftgegend führen kann. Keine bleibenden Schäden, sondern einfach nur ein unangenehmes Gefühl. Oder man entscheidet sich für ein Reiningmodell, muß sich aber darüber im klaren sein, dass diese Sättel für lange Ausritte nicht geeignet sind und man dann in den saueren Apfel beißen muß. Für das Pferd ist es gehopst wie gesprungen, da die Auflage der Bars in beiden Fällen identisch ist.
Anfänger, Umsteiger, Profi?
Zum einen haben Sie sich diese Frage bzw. die Entscheidung die da hinter steht in Frage 3 schon beantwortet. Aber es gibt hier auch noch ein paar Denkansätze.
Sind sie Anfänger und haben noch nie bzw. nicht viel mit Westernsätteln zu tun gehabt, dann würde sich der Kauf eines Gebrauchtsattels anbieten. Aus dem einfachen Grund, weil Sie dann erst mal eine Zeit lang austesten können, was es denn heißt, in einem Westernsattel zu reiten. Nicht selten weiß man mit Sicherheit was man selber braucht, wenn man erst einmal mit der Sache groß geworden ist. Da ein neuer Sattel immer einen weitaus höheren Wertverlust hat als ein neuer, bietet sich die Möglichkeit eines Gebrauchten natürlich an.
Wenn Sie dann nach einem Jahr feststellen, dass der gewählte Sattel doch voll und ganz Ihren Ansprüchen gerecht wird, können Sie sich das gleiche Modell immer noch als Neusattel zulegen.
Sollten Sie sich vorgenommen haben an Turnieren teilzunehmen, sollten Sie sich schon überlegen, dass in diesem Bereich nicht nur das Können gefragt ist, sonder leider Gottes das Equipment auch einen großen Teil ausmacht. Dies ist zwar eine sehr gewagte Aussage, aber jeder der schon einmal auf einem Turnier war, wird sich bestimmt an die schönen Kopfstücke und die reich verzierten Sättel erinnern können. Wie dem auch sei, wer also plant an dem ein oder anderen Turnier teilzunehmen, wird sich zum einen darüber im klaren sein, was für Ansprüche er an den Sattel hat und zum anderen sollte er sich überlegen welcher Sattel zu seiner Disziplin passt. Pleasure-Sättel bestechen z.B. durch Ihre prunkvolle Verzierung und ihrem reichhaltig angebrachten Silber. Über die einzelnen Satteltypen können Sie mehr unter
Die verschiedenen Satteltypen nachlesen.
Wie viel investieren?
Wenn es um das liebe Geld geht, scheiden sich bekanntlich die Gemüter. Trotzdem sollte man sich über das, was man auslegen möchte im klaren sein. Ein Freizeitreiter, dem es nur darauf ankommt einen Sattel für sein Pferd zu finden der 100% passt und in dem er bequem Sitzen kann, kommt vielleicht günstiger weg, als jemand der viele Ansprüche an den Sattel stellt.
Es gibt auf dem Markt eine Menge Markenwesternsättel, die für einen Freizeitreiter geeignet sind.
Da "Freizeitsättel" immer schlicht gehalten sind und über kaum bis keine Silberverzierungen verfügen, sind diese im Gegensatz zu einem Pleasursattel um einiges günstiger. Dazu kommt, dass viele Reiningmodelle auch wenn Sie kein Silber haben um einiges teurer sind, weil Sie aufwendiger verarbeitet sind als ein Freizeitsattel. Was nicht heißen soll, dass bei den Freizeitsätteln an Qualität gespart wurde, sondern lediglich dass z.B. die Conchas beim Freizeitmodell aus Leder und nicht aus Silber sind, die Steigbügel normal und nicht mit Rohhaut bezogen sind und die Cheyenne - Rolle einfach und nicht gedreht ist.
All diese Sachen machen einen Preisunterschied aus.
Wer also sagt er hätte gerne einen Reiningsattel mit viel Build-Up und einem Cut-Out Skirt, mit einem bisschen Silber und einer Basquet-Punzierung und in hell braun mit Wildledersitz, der muß dann auch damit rechnen, dass das auch seinen Preis hat.
Muß es immer ein Markensattel sein?
Diese Frage kann man nur mit Ja beantworten.
Es gibt auf dem Markt viele Produkte die durch Ihren geringen Preis zu überzeugen scheinen.
Die Tücke liegt aber im Detail. Um einen solchen Preis setzten zu können, muß ja nun auch an irgendetwas gespart werden. Meist ist dies im Material der Fall. Es werden die Modelle immer mit Kunststoffbäumen angeboten und da beginnt schon der erste Gefahrenpunkt. Kunststoff ist nicht gleich Kunststoff. Ein Sattel muß einigen Gegebenheiten stand halten. Zum einen das sich bewegende Pferd und zum anderen das Reitergewicht. Beim Aufsteigen wirken auch seitlich einige Kräfte auf den Sattelbaum ein. Daher muß die Wahl des Kunststoffs gut sein, da dieser sich sonst verformen oder gar brechen kann.
Ein weiterer Punkt ist die Wahl des Leders. Es gibt verschiedene Arten an Leder und verschiedene Arten der Gerbung. Diese Faktoren wirken sich auch auf das Endprodukt aus.
Es gibt weiches geschmeidiges Leder, welches in Form eines Sattels gut und gerne 30 Jahre alt wird und immer noch einwandfrei in Schuss ist. Es gibt aber auch Sättel bei denen nach 2 Jahren das Leder anfängt zu brechen oder gar reißt. Und da ist auch der springende Punkt.
Eine gewisse Grundsumme muß man immer für einen neuen Sattel ausgeben. Die Frage ist hier aber doch wo man mehr von hat. Von einem billigen Sattel der nach 2 Jahren grundüberholt werden müsste, was den Kaufpreis um einiges übersteigen würde. Oder von einem Markensattel, der auch wenn er schon 4 Jahre alt ist, immer noch funktionstüchtig ist und sogar für einen angemessenen Betrag wieder weiterverkauft werden kann.
Am gravierernsten ist hier aber die Sicherheitsfrage und die Frage der Passform. Im Bereich der billigen Sättel werden oftmals nicht so viele verschiedene Bäume angeboten wie im Markenbereich. Hier geht es nicht um Pferd oder Reiter, sondern um ein Produkt welches weder Funktionalität noch Qualität aufweisen soll, sondern einfach nur für jeder Mann erschwinglich sein soll. Hier kommt das Beispiel mit einem Schuh wieder am besten. Ein Paar Turnschuhe die fast zum Herstellungspreis an die Kunden weitergegeben werden, sind dem Trend entsprechend, passen an einen Normfuss und sind günstig. Nach einmal tragen stellt man fest, dass man zu Schweißfüßen neigt, der Rand scheuert und man jeden Stein auf der Straße spürt. Und nach 3 Monaten sind die Schnürsenkel gerissen, die Sohle an den Seiten gebrochen und man kann nur eines damit machen - sie weg werfen. Ein Paar Markenturnschuhe sind mit Sicherheit um ein vielfaches teuerer, aber die halten dann auch mind. 2 Jahre und wie viele billige muß man sich in dieser Zeit kaufen um nicht Barfuss laufen zu müssen und wo steht man dann preislich? Günstiger mit Sicherheit nicht.
Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Sattelprobe?
Wenn man einen neuen Sattel braucht, hat das meistens unterschiedliche Gründe.
Entweder man ist Umsteiger und möchte generell einen Westernsattel erwerben, oder man hat bereits einen, der dem Pferd nicht mehr passt oder der einfach nicht mehr zweckmäßig ist.
Der Termin für eine Sattelprobe sollte aber gut überlegt sein. Viele Kunden geben Ihre jungen Pferde zum anreiten oder auch einfach nur zum Training zu einem Trainer in Beritt. Wenn das Pferd dann wieder zurück ist, passt manchmal der Sattel nicht mehr, weil das Pferd sich muskulär verändert hat. In solch einem Fall sollte man an folgendes denken. Ein Pferd, welches bei einem Trainer ist um ausgebildet oder weitergebildet zu werden, hat einen anderen Tagesablauf als wenn es zu Hause ist. Es wird vermehrt und vor allem anders geritten. Wenn jetzt das Pferd zurück kommt, ist es in den meisten Fällen so, dass es erst einmal wieder ein bisschen abbaut, da man selber nicht die Zeit hat, jeden Tag so intensiv mit Ihm zu arbeiten wie der Trainer. Daher ist es ratsam, erst einmal zwei Wochen zu warten, bis das Pferd sich wieder dem "normalen" Rhythmus angepasst hat. Denn würde man sofort einen neuen Sattel anpassen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass dieser nach einiger Zeit nicht mehr richtig passt, weil das Pferd wieder an Muskulatur verloren hat. Es wird nicht auf den Ursprungszustand zurück fallen, aber es wird sich an den "alten" Rhythmus anpassen.
Pferde die Saison bedingt nicht immer gleichmäßig gearbeitet werden können sollten auch erst zu einer Sattelprobe vorgestellt werden, wenn man nach einer "Winterpause" mind. 4 Wochen wieder mit der normalen Arbeit begonnen hat. Anderenfalls würde ähnliches passieren wie in obigem Beispiel. Nur dass hier das Pferd an Muskulatur zulegen würde und der neue Sattel nach einiger Zeit zu eng werden könnte bzw. im Bereich unter der Fork Druckstellen hervorrufen könnte, weil dort der Rückenmuskel "auftragen" könnte.